Benz

Das Glück, den Eli­tehengst Benz in Hörem erwer­ben und züch­te­risch ein­set­zen zu kön­nen, dau­er­te nur zwei Jah­re, denn dann ging er lei­der an chro­ni­scher Darm­ent­zün­dung ein. Der sehr wert­voll gezo­ge­ne Hengst hat­te sich die Jah­re vor­her in Hörem den Eliteti­tel red­lich, sowohl durch züch­te­ri­sche, wie auch rei­ter­li­che Leis­tun­gen, ver­dient. Er leg­te zunächst sei­ne Hengst­leis­tungs­prü­fung in Adel­heids­dorf gegen star­ke Kon­kur­renz als 4. von 79 Teil­neh­mern mit einem Gesamt­in­dex von 132,58 ab. Schon hier konn­te man sei­ne Dres­sur­ver­an­la­gung deut­lich erken­nen, denn er war mit einem Teil­in­dex von 145,08 kla­rer Rit­tig­keits­sie­ger. Die Beschrei­bung des Zucht­lei­ters im Hengst­buch lau­tet:

„Ers­ter gek­ör­ter Sohn des Reser­ve­sie­gers der Körung und des Bun­des­cham­pio­nats des Deut­schen Reit­pfer­des Rocke­fel­ler, aus inter­es­san­ter Anpaa­rung mit der Bur­nus-Toch­ter Blink­licht aus der Fami­lie der Blitz­rot. Groß im Rah­men und groß­li­niert, sehr anspre­chend in Typ und For­ma­ti­on von Hals, Schul­ter und Sat­tel­la­ge, woge­gen man sich den Len­den­be­reich etwas geschlos­se­ner wünsch­te. Kor­rek­tes Fun­da­ment mit gut geform­ten Hufen. Raum­grei­fen­der Bewe­gungs­ab­lauf in allen drei Grund­gang­ar­ten.“

Den dun­kel­brau­nen 168 cm Stock­maß gro­ßen Hengst zog der renom­mier­te Züch­ter Horst Ebert aus dem hes­si­schen Neckar­stein­ach vom Eli­ten­gest Rocke­fel­ler und sei­ner Eli­te­stu­te Blink­licht von Bur­nus AAH. Er wur­de spä­ter von sei­ner Besit­ze­rin Kat­rin Poll aus­ge­bil­det und sehr erfolg­reich auf Tur­nie­ren vor­ge­stellt. Sein Vater Rocke­fel­ler vom Eli­tehengst Con­sul hat­te mit der Donau­wind-Toch­ter Raue die glei­che Mut­ter wie der Hör­emer Eli­tehengst Ravel. Bei­den gemein­sam war die zu ihrer Zeit wohl schöns­te Stu­te Deutsch­lands, die lack­schwar­ze Ras­ten­burg von Islän­der aus der Zucht der unver­ges­se­nen Vero­ni­ka von Schö­ning.

Die Mut­ter­li­nie Blitz­rot von Hir­tensang, aus der Benz her­vor­ge­gan­gen ist, ent­springt der berühm­ten Fuchs­her­de des Haupt­ge­stüts Tra­keh­nen. Sie gehör­te zu den weni­gen Stu­ten des Haupt­ge­stüts, die aus dem meck­len­bur­gi­schen Remon­teamt Per­lin 1945 mit Hil­fe eines bri­ti­schen Offi­ziers nach Schles­wig-Hol­stein über­stellt und so dem Zugriff der sowje­ti­schen Armee ent­zo­gen wur­de. Blitz­rot gehör­te, nach Beschrei­bung Dr. Schil­kes, zu den gangstärks­ten und qua­li­täts­volls­ten Stu­ten, die man damals über­füh­ren konn­te. Auch bei die­ser Stu­te zeig­te sich ein­mal mehr die Bedeu­tung des Vaters Hir­tensang für die Gesamt­zucht. Blitz­rot, auf zwei Aus­stel­lun­gen der Deut­schen Land­wirt­schafts­ge­sell­schaft (Frank­furt 1950 und Köln 1953) hoch­prä­miert, hat­te in 18 Zucht­jah­ren 16 Foh­len, davon 3 gek­ör­te Hengs­te. Hin­ge­gen hat­te sie bedau­er­li­cher­wei­se im Grun­de nur eine Toch­ter, die die­se Linie fort­set­zen konn­te: Die 1958 gebo­re­ne Fuchs­stu­te Blitz­licht II von Pin­dar xx. Blitz­rot war über ihren Vater Hir­tensang und über ihren müt­ter­li­chen Groß­va­ter Kup­fer­ham­mer (auch Vater des Late­ran-Vaters Heli­kon) auf den mäch­ti­gen Fuchs­hengst Par­siv­al inge­zo­gen. Sie und ihre Toch­ter Blitz­licht II gehör­ten zu den auf­fäl­ligs­ten Stu­ten des Gestüts Pan­ker. Vie­le Jah­re spä­ter wur­de die Pin­dar xx-Toch­ter in die Fuchs­her­de des neu­ge­grün­de­ten Ver­bands­ge­stüts Birk­hausen über­stellt.

Noch in Pan­ker wur­de im Jahr 1967 die über­ra­gen­de Toch­ter des anglo­ara­bi­schen Halb­blü­ters Bur­nus, Blink­licht aus der Blitz­licht II gebo­ren, die eini­ge Jah­re spä­ter an Horst Ebert abge­ge­ben wur­de. Damit wären wir bei Benz ange­langt, denn die­se hoch im Blut ste­hen­de Eli­te­stu­te ist sei­ne Mut­ter. Sie ist zugleich auch die Groß­mutter des Bud­den­b­rock und der Voll­brü­der Balus­ter und Bel­sa­zar (Schweiz), eben­so die Urgroß­mutter des Ber­lus­co­ni, des Blitz und Don­ner (USA), des Bell­heim und des Ban­de­ras. Was für eine züch­te­ri­sche Bilanz!

Benz hat­te es auf sei­ner hei­mat­li­chen Deck­sta­ti­on in Hörem schwer, zumal sein enger Ver­wand­ter Bud­den­b­rock ihn an Popu­la­ri­tät über­traf und er in den ers­ten Jah­ren auch zu sei­nem Vater Rocke­fel­ler sowie des­sen Vater Con­sul in Kon­kur­renz stand. Somit konn­te er in 19 Zucht­jah­ren nur um die 50 ein­ge­tra­ge­ne Töch­ter vor­wei­sen. Unter die­sen befan­den sich jedoch eini­ge ech­te Zucht­per­len wie zum Bei­spiel die von Ann­kat­rin Rabe im vor­pom­mer­schen Schwich­ten­berg gezo­ge­ne Sam­land, 1998 Reser­ve-Sie­ge­rin der 4. Lan­des­schau Nie­der­sach­sen-Nord­west in Tarm­stedt und am glei­chen Ort Stu­ten­cham­pio­nes­se unterm Sat­tel.

Eine wei­te­re bedeu­ten­de Stu­te wur­de ein Jahr spä­ter als Gesamt­sie­ge­rin der 2. Lan­des­schau der damals noch neu­en Bun­des­län­der in Gra­ditz gefei­ert. Myri­am Lenz im Tra­keh­ner Heft: „Von gro­ßer Über­zeu­gung und Ein­hel­lig­keit beglei­tet war die Ent­schei­dung der Rich­ter über die Cham­pio­nes­se der Schau, der St​.Pr​.St. und Pr​.St. Esprit IV v. Benz u.d. St.P.St. und El​.St. Eta­na v. Fal­ke, die bereits die Tra­keh­ner Far­ben in der Fami­li­en­samm­lung der Bun­des­stu­ten­schau in Waren­dorf 1998 erfolg­reich ver­trat.“ „Ihre Bewe­gun­gen sind vom Aller­feins­ten,“ resü­mier­te Dr. Mathi­as Gör­bert, „die­ses sport­li­che Poten­ti­al ließ die Noten­ska­la bei der Höchst­no­te, der 10, ver­har­ren. Züch­te­rin Gina Han­ke aus Hameln und der Besit­zer Fried­rich Wil­helm Böse aus Rosen­win­kel bei Pritz­walk freu­ten sich mäch­tig.“ Dem bleibt eigent­lich nichts hin­zu­zu­fü­gen, außer das Bedau­ern, dass die­ser so wert­vol­le Hengst viel zu wenig genutzt wur­de.

In der viel zu kur­zen Zeit, in der wir Benz bei uns haben durf­ten, schenk­te er uns eine gan­ze Rei­he guter Foh­len. Wir haben, nicht wis­send sei­nes nahen Aus­schei­dens, lei­der alle ver­kauft. So zum Bei­spiel die schö­ne Schim­mel­stu­te Mona Stel­la aus der Mona Lisa von Donau­fürst, die heu­te in Bay­ern das gelieb­te und hoch­ta­len­tier­te Nach­wuchs­dres­sur­pferd der Enkel­toch­ter der Fami­lie Koll­manns­ber­ger in Moos­burg ist. Oder auch der Wal­lach Le Grand aus der Lavi­nia von Karo As, ein Alles­kön­ner im Sat­tel sei­ner begeis­ter­ten Besit­ze­rin.
     Lei­der erfährt man in den wenigs­ten Fäl­len etwas über den Wer­de­gang der ver­kauf­ten Pfer­de, umso erfreu­li­cher ist es immer wie­der wenn es doch sol­che Nach­rich­ten gibt.

Nachzucht – Auswahl
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